Recurvebogen - A. Kütemeyer
Recurvebogen - A. Kütemeyer

Ein Bogen besteht im Prinzip aus einem elastischen Stück Holz und einer Schnur oder einer Tiersehne. Er wird international nach angelsächsischen Einheiten genormt, also in Zoll und Pfund, was auf die lange Tradition dieser Länder im Bogenbau zurückgeht. So entwarfen die Engländer den Langbogen, für dessen Herstellung sie das Holz der Eibe benutzten; es ist neben Nussbaum und Esche aufgrund seiner Härte das beste Bogenholz.
Die asiatischen Völker hatten keine solchen Hölzer, darum mussten sie improvisieren: dünne Holzlamellen, Ziegenhorn und Stiersehnen wurden zuerst verleimt, danach durch Bandagen aus Leder, Sehnen und mit Knochenleim präparierte Tierdärme verstärkt. Ein solcher Bogen wurde Compositbogen genannt, und seine Herstellung dauerte oft mehrere Jahre. Er war aber im Gegensatz zu den europäischen Bögen nicht unempfindlich gegen Feuchtigkeit, darum waren diejenigen, welche die Kreuzritter erbeuteten, in ihrer Heimat nutzlos. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und Regen verliert der Compositbogen an Schusskraft.
Erwähnt sei hier noch der Reiterbogen der japanischen Samurai, der durch seine Asymmetrie auffällt. Der obere Teil des Bogens ist fast doppelt so lange wie der untere; diese Form verbessert die Handhabung des Bogens auf dem Pferd. /RE

Die Sportbogen der Neuzeit
Heutzutage werden bei Wettkämpfen zwei verschiedene Bogen benutzt, die beide zum größten Teil aus Glas- und Kohlefasergewebe bestehen: Zum einen der Recurvebogen, zum anderen der Compoundbogen.
Der Recurvebogen ist nach der asiatischen Bogenform gebaut: seine Spitzen sind nach vorne gebogen. Dadurch entsteht eine Art Hebel, mit der man den Bogen leichter aufspannen, und zielen kann; denn je kürzer ein Bogen gebaut ist, um so schwerer läßt er sich spannen.
Ein Neuling beim Bogenschießen beginnt mit einer Zugkraft von 20 Pfund und steigert diese im Laufe seiner Jahre auf 40 bis 45 Pfund. Bei einem schweren Jagdbogen benötigt man eine Zugkraft von 60 bis 80 Pfund.
Hierbei handelt es sich aber nicht um die Kraft, mit der man den Bogen aufspannt, sondern um die Haltekraft beim Zielen. Vergleicht man nun den Recurvebogen mit dem normalen Langbogen, so fällt folgendes auf: beim Spannen des Langbogens auf volle Pfeillänge, steigt die Kraft, die man aufwenden muß, immer mehr an. Der Vorgang des Zielens wird zu einem wahren Kraftakt, und es ist ein hohes Maß an Konzentration erforderlich. Beim Recurvebogen ist dies nun gerade anders herum: durch die nach vorne gebogenen Spitzen verhält sich der Bogen zunächst wie ein Kurzbogen; man muß viel Kraft aufwenden, um ihn zu spannen. Spannt man den Bogen aber auf volle Pfeillänge auf, wird er länger, da sich die Spitzen nun nach hinten bewegen. Es wird also eine geringe Haltekraft benötigt, und man kann sich mehr auf das Zielen konzentrieren.
Die Verbesserung des Recurvebogens ist der Compoundbogen, welcher aussieht, als würde er aus einem Science-fiction-Film stammen. Bei ihm verläuft die Sehne über zwei Umlenkrollen; die aufgewendete Kraft wird so über eine Art Flaschenzug verstärkt. Hierdurch wird die Anfangszugkraft, um den Bogen aufzuspannen, um 30 bis 50 Prozent verkleinert und das Zielen noch einmal vereinfacht. /RE

Der Flug des Pfeils
Betrachtet man den Abschuss eines Pfeils mit einer Zeitlupenkamera, so fällt auf, dass sich der Pfeil nach dem Abschuss wie eine Schlange vorwärts bewegt. Dies wird durch den Weg der Sehne bestimmt, welche nach dem Loslassen in der Form eines Violinschlüssels schwingt. Diese s-förmige Flugbahn wird durch einen weichen Pfeil noch verstärkt.
Abhängig für die Beschleunigung des Pfeils ist vor allem die Art des Bogens. Beim Langbogen ist die Beschleunigung zunächst recht enorm, fällt dann aber sehr stark ab. Der Recurvebogen beschleunigt hingegen eher sanft und steigert sich.

Eine starke Beschleunigung ist eher unerwünscht, da diese das Schlingern des Pfeils verstärkt; ja es ist sogar möglich, wenn der Pfeil zu steif ist, dass er aus der Flugbahn ausbricht.
Abhilfe hierfür wird durch ein genaues Abstimmen von Zugkraft und Beschleunigung des Bogens sowie Gewicht, Aerodynamik und Steifheit des Pfeils geschaffen. Der Bogen wird auf seinen Benutzer genau abgestimmt, indem man an die Pfeilauflage einen Stoßdämpfer anbringt, wobei der seitliche Andruck des Pfeils und seine Schlingereigenschaften genauestens berücksichtigt werden.

Dies ist für den Sportschützen der Neuzeit alles selbstverständlich: Hinzu kommt, dass sich an den heutigen Bögen auch noch ein Visier zum Zielen befindet. Liest man aber Berichte aus dem Mittelalter durch, von Attila und seinen Hunnen, oder von Dschingis-Khan und den mongolischen Reiterheeren, grenzt es fast an ein Wunder, dass diese Völker ohne derartige Vorrichtungen und Berechnungen auskamen; und das auf dem Rücken eines Pferdes. Hier wurde einfach die Pfeilspitze, je nach Eigenschaft des Bogens, über oder neben das Ziel gerichtet. /RE

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